Kommunalwahlen in Bretten – Schulthemen laufen unter „ferner liefen“.

Leserbrief zur Kommunalwahl


Dieser Leserbrief erschien leider nur erheblich gekürzt am 20. Mai 2014 in den „Brettener Nachrichten“ unter der Überschrift „Offene Diskussion angesagt“.
Hier der vollständige Leserbrief.

Bretter Nachrichten z.B. 8. Mai 2014: Wir machen Ernst mit Bürgerbeteiligung (SPD);15. Mai 2014: Bretten braucht ein Familienzentrum (GRÜNE).

Das „Wahlkämpfle“ neigt sich auch in Bretten seinem Ende zu. Die Parteien haben ihre Vorschläge und Forderungen aufgestellt und veröffentlicht; von der ultimativen neuen Straßentrasse von der B294 per Brücken zum Alexanderplatz bis zum Entgegenwirken von „Vermüllung“ sind die kommunalpolitischen Themen abgedeckt, alles überlagert von der Frage, ob es in der Innenstadt eine Galerie mit dem Zusatznamen „Weißhofer“ oder „Schneider“ geben solle. Aber bei einem Thema sind die Brettener Parteien auffallend zurückhaltend, obwohl es doch eigentlich brennt: Wie steht es um einen Schulstrukturplan? Gilt – so die CDU – der Spruch „Kurze Beine-kurze Wege“ in Bretten unumstößlich? Neulingen hat mutig die Konsequenzen aus den aktuellen Schülerzahlen gezogen. Wie steht es mit der Schulvielfalt in Bretten? Ist die Realschule tatsächlich die Schule der Zukunft, die – so die FDP – besonderer Unterstützung bedarf, auch angesichts des kommenden Schulgesetzes mit seiner absehbaren  Zweisäulenstruktur von Gymnasium und Gemeinschaftsschule? Welche Ausmaße hat der Nachhilfeunterricht – schon für Grundschüler – angenommen? Brauchen wir in der Schulstadt Bretten nicht auch das Angebot einer privaten/freien Schule? Wie steht es mit der politischen Forderung aus Bretten nach einem G9-Zug am Gymnasium, die nur von einem Bewerber der Aktiven geäußert wird – auch wenn zur Zeit die Erfolgschancen dafür schlecht stehen? Die Ganztagesschule wird von allen begrüßt – aber meinen alle auch wirklich Ganztagesschule oder nur die um nachmittägliche Betreuung ergänzte Halbtagessschule? Unbemerkt bleibt, dass Ganztagesschulen auch Ganztagesschul-Lehrer benötigen, die es kaum gibt – während die fehlenden Gemeinschaftsschul-Lehrer ein Hauptargument dafür sind, diese neue Schulart – wenn überhaupt – eher nolens denn volens zu unterstützen. Immer noch wird  von der einen oder anderen Partei das zukunftsweisende pädagogische und inhaltliche Konzept der GMS bemäkelt – ohne die im zweiten Jahr erfolgreiche Gemeinschaftsschule in Gondelsheim auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Was soll der Vorschlag der Grünen, einen unverbindlichen Runden Tisch zu installieren – anstatt die Forderung nach einem Schulbeirat aufzugreifen und zu unterstützen? Die Parteien kümmern sich liebevoll um den Erhalt und die Verbesserung der Schulgebäude in unserer Stadt – welche von ihnen aber will den Gesamtelternbeirat stärken und unterstützen? Welche die Elternbeiräte? In unserer Gemeinde erscheint es weitgehend unbekannt zu sein, dass das Schulgesetz den Eltern „das Recht und die Pflicht“ zuweist, an der „schulischen Erziehung“ mitzuwirken und an der „Verbesserung der inneren Schulverhältnisse“ mitzuarbeiten. Sobald jemand dieses Recht und diese Pflicht wahrnimmt und über Kaffeekochen, Kuchenbacken und Stühleaufstellen hinaus Anregungen in die Schule hineintragen möchte oder den aktuellen Unterricht mit den einschlägigen Bestimmungen des Kultusministeriums kritisch vergleicht, schlägt ihm/ihr Unverständnis und Empörung, sogar moralische Verurteilung entgegen. Zum Wohle unserer Kinder sind Schweigen und Stillhalten unangebracht, auch wenn es scheint, dass bei uns die schulpolitische Meinung vorgegeben ist und strikt eingehalten wird, wo doch offene Diskussion und Kommunikation angesagt sind.

Eberhard Schallhorn